Hans Christian Ziebertz > Stadtteilbibliothek in der Hirtenstr 11b, Berlin
Modellfoto

Die Aufgabe bestand darin, eine drei Meter breite Baulücke in der Hirtenstrasse mit einer Stadtteilbibliothek zu beplanen. Die Bearbeitungszeit betrug vier Wochen.

Zu Beginn des Entwurfes waren zwei Probleme am augenfälligsten: Die Enge der Baulücke (drei Meter), die Knappheit der Zeit (vier Wochen). So wurden drei Prinzipien formuliert, die für den Entwurf unumstösslich sein sollten und nach denen ein effizientes Entwerfen möglich war:

1. Das Gebäude sollte strukturell reduziert werden, um die drei Meter nahezu voll ausnutzen zu können. Das heisst, die Bibliothek sollte bis auf die letzte Schraube als Bücherregal konstruiert sein. Sitzgelegenheiten und Treppen sollten eins werden mit den Regalböden.

2. Als ästhetische Strategie gegen die Enge sollte der Raum niemals klare vier Wände haben. Zwar ist die Bibliothek auf einem Raster entworfen, dieses ist jedoch so klein - in Büchergröße - dass der Raum immer um mindestens zwei Ecken, weitergeht. Dies ist ein Prinzip, das Alfred Messel bei den Berliner Hinterhöfen in Charlottenburg anwendete, um aus der Enge noch ein Gefühl der Weite zu gewinnen; dadurch, dass man nie in einem Raum gefangen ist, sondern dieser immer weiter geht.

3. In einem sehr gegensätzlichen und zentralen Stadtteil eine Stadtteilbibliothek zu bauen heißt, einen Ort der Begegnung zwischen verschiedenen Milieus zu bauen. Hier vor allem zwischen der jungen zugezogenen und sehr internationeln Bevölkerungsschicht und den vielen älteren Bewohnern, die schon zu DDR-Zeiten in dem Stadtteil wohnten. Neben einer öffentlichen Dachterrasse, sollte der kleine Platz, der sich am Ende der Hirtenstrasse durch den Orthogonalitätszwang des dort stehenden Plattenbaus ergibt, ein Sommercafé erhalten. Zu den Öffnungszeiten der Bibliothek sollte bei entsprechendem Wetter der dort breitere Bürgersteig als Café und Begegnungsfläche genutzt werden können.

Die weitere Planung folgte der Bewegung der Nutzer durch die Bibliothek. Man sollte sich wie ein Bücherwurm durch das Regal bewegen können und verschiedene räumliche Angebote zum Verweilen auffinden. Desweiteren gab es ein Raumbedrüfnis für infrastrukturelle und technische Details, das zu berücksichtigen war und so entstand der fertige Entwurf.

Das Modell ist aus Polystyrol, ASA und Polypropylen.

Grosses BücherregalPrinzip 1: "Grosses Bücherregal"
Endloser RaumPrinzip 2: "Endloser Raum"
SommercafePrinzip 3: Sommercafé als städtebauliche Intervention im kleinen Massstab

AufteilungAufteilung der Raumflächen: Leseflächen (grün), Infrastruktur (blau), Wege (rot)

InnenraumIsometrie des Innenraums: Wege für den Bücherwurm
FassadeIsometrie der Fassade: Die Fassade als Abdruck des Innenraums mit Fentern zur Brandwand und nach draussen
FassadendetailDetail der Fassade: Die Polycarbonatplaten sind jeweils auf Höhe der Regalbretter verankert, sodass die innere Struktur von aussen sichbar wird. Die Fenster sind "rahmenlose" Festverglasung.
ModellfotoKleiner Lesesaal im Modell
ModellfotoDie gesamte Struktur im Modell
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