Hans Christian Ziebertz > Haus auf dem Darß
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Das Haus am Meer ist ein Entwurfsklassiker. Als Ferienhaus für ein bis zwei Personen ist es kompakt und verfügt über eine einfache Konstruktionsweise. Es wurde bis in den Massstab 1:20 detailliert, und von Prof. Norbert Palz betreut.

Der Grundriss orientiert sich an den Gegebenheiten: Im Westen ist die Wetterseite und das Meer. Hier braucht es Aussicht, aber auch Schutz. Nach Süden sollten die Wohnräume liegen und einen Ausgang auf die Terrasse haben. Nach Norden liegen das potentielle Arbeitszimmer und das Bad. Das Gebäude ist klar in drei Körper geteilt, die sich der zwei verschiedenen Ausrichtungen und der Kernfunktionen annehmen: ein Körper im Süden und ein Körper im Nordwesten, dazwischen ein Körper, der die Kernfunktionen aufnimmt.

Skizze

Man kommt entweder von der Landseite zur Ostseite des Gebäudes oder vom Strand über die Terrasse, im Süden des Hauses, an den Wohnräumen vorbei zur Tür. Diese sitzt wettergeschützt im mittleren Körper, der an dieser Stelle hervorspringt und eine Nische bildet. Geht man hinein, hat die Eingangstür eine Schleusenwirkung: sie trennt den Windfang vom Rest des Hauses. Ist man eingetreten und schliesst die Tür nach aussen, öffnet man damit gleichzeitig die Tür vom Windfang ins Haus. Alternativ hat man die Möglichkeit - gewissermassen ungesehen von dem, was im Wohnraum geschieht - ins Bad zu treten und vom Bad aus in den privateren Bereich der Wohnung, doch dazu später mehr.

Tritt man aus dem Windfang heraus ins Innere des Hauses, gelangt man in den südlichen Gebäudekörper, der durch die Dachschräge zwei Räume suggeriert, wenngleich er auch als ein grosser Raum zur Verfügung steht. Im vorderen Bereich könnte ein Esstisch stehen. Rechts ist in eine Wandnische die Pantry eingelassen, links öffnen sich die grossen Türen zur Terrasse. Im kleineren Bereich im hinteren Teil des Raumes ist eine Sitzfensterbank am Panoramafenster mit Blick auf das Meer eingelassen. Hier kann auch ein kleiner gusseiserner Ofen für den Winter angeschlossen werden, der gleichzeitig durch die Wand das Bett erwärmt.

Öffnet man eines der Schiebepaneele neben der Küche, gelangt man in den privateren Bereich der Wohnung, den mittleren Körper des Gebäudes mit den Kernfunktionen. Statt über ein Aussicht- (und Einsichts-)fenster, ist der Flur, der auch als Ankleide dient, über ein Oberlicht belichtet. Es ergibt sich aus dem Versprung des Daches. Hier liegt auch der zweite Eingang zum Bad. Betritt man es von dieser Seite, findet man zunächst die Dusche. Betritt man es von der anderen Seite, der Eingangs- und Gästeseite, findet man zunächst das WC. Von der Ankleide aus, kann der Weg durch das Bad auch der alternative Weg nach draussen sein - möchte man ungesehen am Wohnzimmer vorbei.

Öffnet man vom Flur die zweite Schiebetür, die wieder eine Schiebetür mit doppelter Funktion ist, gelangt man in den nordwestlichen Gebäudekörper. Schiebt man die Tür vom Flur aus auf, öffnet sich ein klarer Raum mit ebenen Holzwänden und einer grossen Terrassentür zum Meer. Auch hier evoziert die Dachschräge wieder eine Aufteilung in zwei Bereiche, ohne sie jedoch zu erzwingen und so ergibt sich einen Nische für einen Schreibtisch oder Lesesessel. Schliesst man die Tür hinter sich, kommt dahinter der Alkoven mit dem Bett zum Vorschein. So kann der hintere Raum, der durch seine Lage im Grundriss des privatere und damit der Rückzugsraum ist, sowohl als Schlafzimmer genutzt werden, als auch als Arbeitszimmer. Zudem hat die Schiebetür noch eine zweite Funktion: Ein Ferienhaus zieht Gäste an. Doch will man im Urlaub nicht immer alles aufräumen. Öffnet man das hintere Zimmer für Gäste, ist das intimste, das Bett, automatisch verschlossen. Gleichzeitig ist der Alkoven kein Sarg. Er verfügt über etwas Besonderes: Ein kleines Fenster, fast ein Bullauge, mit direktem Blick vom Kopfkissen aufs Meer.

Reist man ab und schliesst alle Jalousien, erscheint das Haus als weisser Körper ohne Öffnung. Das ungenutzte Ferienhaus wird zur baulichen Skulptur am Strand.

Grundriss

Das Haus steht an der Ostsee und wurde konstruktiv für diesen Standort entworfen. Es ist ein Holzbau, der sich mit Punktfundamenten minimal in den Untergrund eingräbt, umgeben von einer leichten Holzterrasse. Von außen wird die Kubatur des Hauses mit seinen Dachschrägen in ihrer Skulpturalität duch eine weiße Oberfläche aus wetterfestem Segeltuch hervorgehoben. Da die Jalousien der Fenster aus dem gleichen Material sind, erscheint das Haus bei geschlossenen Jalousien als ein homogener Körper. Im Sommer reflektiert das weisse Tuch die Sonne und schützt das Haus vor Überhitzung. Im Winter werden bei geöffneten Jalousien passiv solare Gewinne erzielt. Von innen sind die Wände, Böden und Decken mit Holz ausgekleidet. Zwischen dem Segeltuch aussen und dem Holz innen verbirgt sich eine diffusionsoffene Wandkonstruktion aus Holz, Holzwerkstoffen und einer Dämmung aus Seegras. Alle Werkstoffe sind natürlich und lokal. Das Holz kommt aus den Wäldern der Ostsee, das Seegras als Strandgut sogar kostenlos vom Strand (es kann nach einer einjährigen Abwitterung als Dämmstoff genutzt werden) und das Segeltuch kann vom örtlichen Handwerk der Segelmacher besorgt und verarbeitet werden. Es wird keine Folie benötigt. Einzig die aussenliegende Holzwerkstoffplatte ist als zweite wasserführende Schicht bituminiert.

Schnitt
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